Schwenninger Erkan Bozkaya gewinnt Titel
Die Entscheidung für den neuen Leichtgewichtsmeister Meister Bozkaya fiel sehr knapp, aber verdient aus. Bei 7:7 Zählern gaben die Hilfspunkte den Ausschlag zu Gunsten des jungen Schwenningers, der momentan ein Berufsvorbereitungsjahr absolviert und mit einer Karriere als Profi liebäugelt. Optisch hatte er in den vier Runden dominiert. Bozkayas Erfolg gegen den eigentlich favorisierten Philipp Nsingi (BC Cottbus) bedeutete den einzigen Titelgewinn für Württemberg und verhalf dem WABV zu Rang drei im Medaillenspiegel.
Württembergs Jugendwart Oliver Vlcek, ebenfalls von Boxing Schwenningen, freute sich natürlich hellauf mit seinem und über seinen Schützling -- zumal Bozkaya „im Finale den schlimmsten Mann“ aus dem ursprünglichen Neuner-Feld gehabt habe. Der Neckarstädter musste zudem das größte Pensum aller rund 80 DM-Starter bewältigen: Er war in der ausnahmsweise mit neun statt maximal acht Athleten besetzten 60-kg-Klasse für den einzigen Achtelfinalkampf ausgelost worden und musste deshalb am Donnerstag gleich zwei Mal in den Ring klettern. Trotzdem konnte der 17-Jährige im Verlauf der vier Finalrunden noch einmal entscheidend zusetzen, nachdem er zunächst im Rückstand lag „Die letzte Runde hat es gebracht“, befand der bei dem Turnier als Zeitnehmer tätige Tuttlinger Kampfrichter Dieter Bergmann.
Nur ein Endkampf ging am Samstag vor der guten Kulisse von rund 300 Zuschauern nicht über die volle Zeit. Ausgerechnet der Juniorenweltmeister im 48-kg-Limit, Theo Krechlok aus Berlin, konnte den erwartungsfrohen Boxsportfreunden seine Klasse kaum zeigen. Gegner Erik Sokolov (VfL Waldkraiburg) erlitt schon in der ersten Runde eine blutende Risswunde überm linken Auge.
Ringarzt Dr. Hans-Jürgen Grande (Spaichingen) empfahl, da sich bei jedem weiteren Treffer die Wunde zu verschlimmern drohte, dem Kampfrichter den Abbruch. An diese Einschätzung pflegen sich die Unparteiischen zu halten, das traf auch am Samstag zu. Die Blessur groß zu verarzten, ist laut Reglement nicht möglich: „Wir dürfen während des Wettkampfes nicht behandeln“, erklärte Verbandsärztin Gudrun Hinz aus Berlin. So musste der sichtlich enttäuschte Sokolov, den Tränen nahe, das Feld frühzeitig räumen.
Überwiegend setzten sich am Final-Tag die Favoriten durch. So auch die Titelverteidiger Marcus Okosun (81 kg) und Jakob Mogerl (über 91 kg. Der Württemberger Aznaur Gasanov (75 kg/Blau-Geld Stuttgart) scheiterte dagegen am Samstag im Endkampf relativ deutlich Islam Sulimanov (ESG Halle). Andreas Hoffmann (64 kg/SV Böblingen) hatte schon im Viertelfinale am Donnerstag mit einer knappen 7:9-Punktniederlage gegen den DM-Starter mit dem längsten Namen, Thulisimaran Tharumalingam (Niedersachen), die Segel streichen müssen.
Nachwuchs-Bundestrainer Hans Birka (Köln)sprach, nach seinem DM-Fazit gefragt, von einer allgemeinen „Leistungssteigerung“. Diese habe sich schon im ganzen Jahr abgezeichnet, mit je einem Titel sowie weiteren Medaillen bei der Junioren-WM und der Jugend-Europameisterschaft. Birka: „In acht, neun Gewichtsklassen sind wir gut vertreten; es waren ein paar wirklich gute Jungs dabei; in drei Klassen habe ich sogar je zwei Kandidaten für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr!“ Bei jenem Turnier geht es auch um das Startrecht bei der ersten Jugend-Olympiade.
„Spitze“, sagte Hans Birka zum Verlauf des Spaichinger DM-Turniers. Ins gleiche Horn stießen DBV-Jugendwart Thomas Kross aus Stralsund („super“) und Jürgen Wiedemann (Leonberg), der Präsident des Württembergischen Amateurboxverbands: „Wunderbar organisiert; sie kriegen Lob von allen Seiten!“ DBV-Pressewart Alexander Mazur aus Böblingen, zugleich Vorstandsmitglied bei der dortigen Sportvereinigung, sah seinen Eindruck bestätigt, dass solche Turniere in kleineren Städten immer mit mehr Engagement und familiärerer Atmosphäre ausgerichtet würden.
(Erschienen: 29.11.2009 19:30)
Fäuste fliegen bei Boxing Night

Villingen-Schwenningen - Es ist 28 Minuten nach Mitternacht, als die Fans in der Deutenberghalle noch einmal toben. Johann Witt, der deutsche Schwergewichtsmeister von Boxing VS, steigt in den Ring – und zeigt, dass er bereit ist, sich seinen olympischen Traum zu erfüllen.
Gegenüber steht dem 25-jährigen Unterkirnacher Alexander Aleksic. Gegen den mehrfachen österreichischen Meister hat Witt schon in der Vergangenheit verloren. "Ich will unbedingt die Revanche", hatte sich der angehende Verfahrensmechaniker viel vorgenommen. Und der EM-Dritte legt in seinem 85. Kampf so los, wie es die Zuschauer erwarten. Konzentriert kontrolliert Witt von der ersten Sekunden im Ring das Geschehen, lässt den Dornbirner kaum zur Entfaltung kommen. Schnelle Beine, flinke Schläge, gutes Auge – der Boxing-Vorzeigekämpfer punktet und punktet. 6:2 heißt es nach der ersten Runde, 13:4 nach der zweiten.
Im letzten Durchgang wird Aleksic sogar angezählt, muss bei der 6:21-Niederlage die Überlegenheit von Johann Witt, der damit seine Erfolgsbilanz auf 71 Siege ausbaut, anerkennen. "Besser kann man sich nicht für eine Niederlage revanchieren", lacht Boxing-Trainer Witali Tarassow wenig später. Auch Witt ist zufrieden: "Ich bin froh, dass ich so deutlich gewonnen habe. Nach der DM war wenig Zeit für die Vorbereitung", freut sich der 25-Jährige nun auf die Ruhe in der Weihnachtszeit. "Ich werde erst im Februar meinen nächsten Kampf bestreiten. Und dann rücken ja die Olympia-Qualifikationsturniere immer näher", will der Unterkirnacher unbedingt das Ticket für London lösen.
Apropos Ticket. Flugkarten hatten zehn Kasachen, doch nur sechs Boxer vom Kaspischen Meer standen in Schwenningen im Ring. "Es gab große Probleme mit den Visen. Dank Siegfried Kauder durften immerhin sechs Kämpfer einreisen", bedauert Boxing-Trainer (und Vorsitzender) Oliver Vlcek die Entscheidung der Behörden. Doch das kasachische Sextett überzeugte, obwohl es nur 24 Stunden zuvor schon in Singen im Ring gestanden hatte.
Am Ende gewannen die Doppelstädter sieben von 13 Kämpfen. Ivan Kischenko und Attin Batabayev trennten sich nach einem wahren Schlagabtausch mit einem Remis (Endstand: 15:11). "Ich bin zufrieden mit den Leistungen unserer Boxer", resümiert Coach Witali Tarassow. Auch Oliver Vlcek zieht eine positive Bilanz: "Ich denke, dass rund 2000 Zuschauer die Kämpfe gesehen haben. Es war eine tolle Kulisse. Unsere Boxer haben die Fans mit tollen Kämpfen belohnt."

